Alaska Juni / Juli 2014

                                       ~  Bear's heaven is here ~

10 Tage an der Südküste von Alaska - 10 Tage voll intensiver Begegnung mit Bären. Begegnungen, die uns gezeigt haben, daß ein friedliches Zusammenleben von Bären und Menschen möglich ist.

Wir haben die Bären in ihrer natürlichen Umgebung kennengelernt - sie finden hier ausreichend Nahrung, Partner und Lebensraum.

Sie werden hier nicht bejagt und es wird darauf geachtet, daß sie weiträumige Rückzugsmöglichkeiten in den Wäldern und Bergen haben, die von Menschen nicht betreten werden dürfen. So entwickeln sie sich zu Bären, die in friedlicher Nachbarschaft mit den Menschen leben, weil sie weder Ängste noch Aggressionen aufbauen müssen.

Weiterhin wird darauf geachtet, daß sie keine Lebensmittel oder deren Abfälle vorfinden, damit sie die Nähe zum Menschen nicht mit einfacher Futtermöglichkeit verbinden.

Wir haben Bären kennengelernt, die einem Menschen mit ihrer Persönlichkeit in nichts nachstehen - sie lieben ihre Kinder, sorgen für sie, beschützen sie vor Gefahren, spielen mit ihnen und bringen ihnen alles für das Leben bei. 







Sie sind neugierig und verspielt..... 







manchmal albern...... 








romantisch..... 

 

 

 

 

... und haben die gleiche Sehnsucht nach einem Leben in Frieden und Freiheit wie wir.

Jeder Bär hat seine eigene Geschichte.

Einer von ihnen hat uns seine erzählt:




Ich bin Mahto Cikala, der kleine Grizzly.


"Cikala" bedeutet klein und das bin ich jetzt ja auch noch.




Aber "Mahto" steht für einen großen, starken Grizzlybären - und genau das möchte ich einmal werden!


Ich möchte dir eine Geschichte erzählen.

Eine wahre Geschichte, auch wenn sie sich in Teilen anhört wie ein Märchen.

Aber sie ist wahr, denn es ist die Geschichte meines Lebens.

 

 

Ein neuer Tag beginnt auf der großen Bärenwiese.

Mein Bruder ist noch ganz verschlafen und kann seinen schweren Kopf kaum alleine halten.




Wir verbringen die ersten drei Jahre unseres Lebens mit unserer Mutter.




Eine Mama ist das schönste und wichtigste im Leben eines kleinen Bären.

Wir haben uns sehr lieb.

Unsere Mama wacht über uns, während wir schlafen.

Um einen besseren Überblick zu haben, stellt sie sich auf die Hinterbeine.

Würde sich ein männlicher Bär nähern, würde sie sofort mit uns weglaufen, denn die 

stellen eine große Bedrohung für uns dar. 

Es kommt vor, daß sie kleine Bären töten, damit die Mutter wieder paarungsbereit wird. 





Ich unterstütze Mama beim Aufpassen.

Fühle mich auch sehr männlich.

Der etwas ungebremste Fortpflanzungsdrang der männlichen Bären ist allen Bärenmüttern gut bekannt und so sind sie immer wachsam und zur Not auch äußerst wehrhaft, wenn es um das Leben ihrer Kinder geht.

Als unsere Eltern sich kennengelernt haben, führte unsere Mutter keine Kinder mit sich und so war ihr Zusammentreffen durchaus liebevoll.

Wenn Mama uns davon erzählt, stelle ich mir das so vor:

Als Ergebnis dieser großen Liebe sind wir dann im darauf folgenden Februar als winzige Flaumbällchen zur Welt gekommen.

Wir waren so klein, daß wir in die Hand eines Menschen gepasst hätten.

Im Mai / Juni nimmt unsere Mama uns zum ersten Mal aus der Höhle mit nach draußen.

Alles ist neu und fremd - besser, wir bleiben ganz dicht bei Mama!

Oben drauf ist der beste Platz. Meiner!



Hier auf der großen Bärenwiese führen wir ein glückliches Leben.

Wir halten uns an die Große Bärenphilosophie, die von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.

Die Große Bärenphilosophie sieht einen geregelten Tagesablauf vor: essen, schlafen, spielen, kuscheln, Neues entdecken & Abenteuer erleben.

Mehr braucht kein Bär! Und ein Mensch auch nicht....

Ich habe gehört, daß Punkt 1 unseres Tagesablaufs - das Essen - von vielen Menschen ganz falsch eingeschätzt wird.

Die denken "Oh ja, Bären sind große, gefährliche Raubtiere - die holen sich jeden Tag einen Elch zum Frühstück! Mindestens."

Ach ja, diese Menschen..... glauben immer so komische Sachen....

Die Wahrheit sieht so aus, daß wir Bären zu 90% zufriedene Veganer sind (nur unser Cousin, der Eisbär, ist da anders).

Wir essen gern Kräuter, Wurzeln, Beeren, Pilze, Früchte - und auf der großen Bärenwiese das leckere Gras, das immer ein bißchen salzig schmeckt. 

Hast du schon mal einen Bären grasen sehen?

Du kannst dir das nicht vorstellen?

Guckst du hier......



Zum Mittagessen stehen Muscheln auf dem Speiseplan.

Mama sagt, sie seien eine wichtige Proteinquelle für uns und bringt uns bei, wie man sie im Watt aufspürt und ausgräbt.





Ich probiere es auch mal - und finde auf Anhieb eine!

Ich scheine ein Naturtalent zu sein!

Ich bin noch ganz beeindruckt von meinen eigenen Fähigkeiten, da werde ich brutal aus meiner Faszination gerissen.

Eine Möwe hüpft auf mich zu und versucht, mir meine Muschel zu entreißen. Ihr Kreischen klingt wie ein irres Lachen und macht mir irgendwie Angst.


Ich suche Schutz bei meinem Bruder und Mama.


Die Möwe verfolgt mich.


Ich schiebe meinen Bruder vor.

Mama lacht und sagt, ich sei doch ein großer starker Bär und solle mich nicht von einem albernen Vogel einschüchtern lassen.

Sie hat recht.

Mutig richte ich mich zu voller Größe auf.

Die Möwe auch. Drohend klappt sie auch noch ihre riesigen Flügel auf....

..... da schießt plötzlich mein Bruder an mir vorbei und direkt auf die Möwe zu!


Fassungslos schaue ich ihm hinterher.

Mein mutiger, kleiner, großer Bruder!

Ich bete zum großen Bärengott, daß er den Kampf überlebt.

Stocksteif stehe ich da und beobachte.

Ich kann das nicht mehr mit ansehen.

Ich muss mich abwenden.

Doch am Ende siegt das (der) Gute und mein Bruder, der Held, planscht fröhlich auf mich zu.

Er tröstet mich und sagt, es sei alles halb so schlimm gewesen.

Völlig erschöpft von all der Aufregung, schlafe ich einfach ein. Mitten im Watt.

Aber mein Bruder ist ja da und passt auf mich auf.

Sollen sie nur kommen - die alten Möwen. Ich hab meinen Bruder.

Als wir wieder wach werden, scheint die Sonne über das weite Watt und auch andere Bärenfamilien machen sich auf zur Muschelsuche.

Dieser kleine Bär ist schon ein Jahr älter als wir.

Ob er die Sache mit den Muscheln schon besser kann?

Mal sehen.....

Sie schnüffeln.... sie graben....

Oder bewundern sie etwa nur ihre Spiegelbilder???

Nein, Junior gräbt....

.... und hat Erfolg! Eine fette Muschel!

Er weiß, daß wir ihn beobachten, ihn grenzenlos bewundern, denn er schielt zu uns rüber.

Auch Mama Bär ist stolz auf ihren Junior.

Wir wollen nicht dastehen wie dumme kleine Bären und

geben nochmal unser Bestes.

Und was soll ich sagen - Muschel für Muschel buddeln wir aus dem Watt!

Läuft!

Auf dem Nachhauseweg bin ich so erschöpft, daß Mama mich tragen muss.

Habe ich schon erwähnt, daß sie die beste Mama der Welt ist?

Sie tut alles für uns und ich habe sie sehr lieb!

Auch unser zweites Lebensjahr verbringen wir noch gemeinsam

mit unserer Mama.

Wir sind mächtig gewachsen und runde plüschige Teddies geworden.

November 2017